Dufour? Dafür!

Kloster, Spital, Schulhaus: Das klassizistische Gebäude an der Dufourstrasse schaut auf eine lange Vergangenheit zurück. Sein Fundament ist über 500 Jahre alt. Unzählige Schicksale haben sich darin abgespielt. Leben begann, Leben endete. Karrieren wurden begründet, Perspektiven vermittelt. Das Dufour-Schulhaus ist ein bedeutender Ort für die Stadt Biel. Umso erbärmlicher erscheint sein derzeitiger Zustand. Von Stützmauern umgeben bröckelt das altehrwürdige Natursteinhaus vor sich hin. So historisch das Gebäude, so respektvoll muss die Sanierung sein. An der Stadtratssitzung vom Februar hat der Rat darüber befunden. Dabei war allen klar: Die Sanierung ist unumgänglich. Anlass zu Diskussion führte dabei die Frage, in welchem Umfang sie sein soll. Für reicht es nicht aus, nur die Fassade aufzuhübschen. Wollen wir die Liegenschaft weiterhin zu schulischen Zwecken nutzen, braucht es auch im Gebäude eine Renovation. Die Aufgabe ist komplex: Der Erhalt der alten und massiven Strukturen und die gleichzeitige Anpassung an heutige Vorschriften und Erwartungen sind nur sehr schwer zu vereinen. Die ganze Haustechnik muss erneuert werden, das Gebäude muss erdbebensicher und barrierefrei gemacht werden. Dabei darf die Energieeffizienz nicht zu kurz kommen. Würden wir nur die Fassade erneuern, fiele das alles weg. Das kann nicht der Weg sein. Dieser im Stadtrat vorgebrachte Vorschlag erinnert mich an einen Saloon in einem Western: Von aussen wunderbar, schaut man genauer hin, ist da- nichts. Klar, die Sanierungskosten sind hoch. Doch mit diesem Projekt haben wir nicht nur Schein, sondern auch Sein.
Machen wir es! Denn wir benötigen den Schulraum. Für Regelklassen ist die räumliche Aufteilung zwar ungeeignet und entspricht den kantonalen Vorgaben nicht. Trotzdem macht das Schulhaus Dufour auch nach einer Sanierung seinem Namen weiterhin alle Ehre. Bereits heute ist die Tagesschule und die SANU AG darin untergebracht- sie werden bleiben. Um den wachsenden Bedarf an sonderpädagogische Angebote zu decken, wird dafür zusätzlich Platz geschaffen. Neu werden die Logopädie, Psychomotorik und Begabtenförderung im Dufour-Schulhaus einziehen. Diese schulischen Nutzungen gehören zu den gesetzlichen Aufgaben Biels und brauchen zwingend eine Lokalität. Dass dieser in der Innenstadt ist, erscheint mir logisch. Apropos Innenstadt: Der derzeitige Zustand hilft der Innenstadtattraktivierung wenig. Durch die Sanierung erhält Biel wieder ein würdiges Tor zur Altstadt. Sie trägt einen Beitrag zur (Wieder-)Belebung und Attraktivierung der Innenstadt bei.
Bei der Abstimmung um das Dufour-Schulhaus geht es also um mehr als die einfache Sanierung eines alten Gebäudes. Wir entscheiden auch darüber, wie Biel mit seiner Geschichte umgeht. Wir befinden über die Zukunft der Innenstadt. Wir geben einen Impuls für die Schulraumplanung. Für mich ist daher klar: Dufour? Dafür!

Erschienen am 2.3.2020 im Bieler Tagblatt.

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